Fehde zwischen dem Staatspräsidenten und dem prominentesten General Sri Lankas
Von Hilmar König, Neu-Delhi
Auf der 58. Jahresversammlung der konservativen Sri Lanka Freiheitspartei (SLFP) holte sich Staatspräsident Mahinda Rajapakse am Sonntag die Zustimmung der Delegierten, die Präsidentenwahl im kommenden Jahr vor den im April fälligen Parlamentswahlen durchzuführen. Eigentlich endet seine Amtszeit erst im Jahre 2012. Doch er glaubt, auf der Welle des militärischen Sieges über die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) auch glatt zu einem Wahlerfolg reiten zu können. Jedenfalls äußerte er sich auf der Tagung zuversichtlich und verteilte Seitenhiebe gegen seinen vermutlichen Konkurrenten, General a.D. Sarath Fonseka. Dieser trat mit Wirkung vom gestrigen Montag von seinem Amt als Chef des Verteidigungsstabes zurück. Er hatte vorige Woche das entsprechende Gesuch eingereicht, dem Präsident Rajapakse am Freitag stattgab.
Allgemein wird erwartet, daß Fonseka, den die singhalesische Bevölkerungsmehrheit als Nationalhelden feiert, in die Politik geht und sich von der Opposition als Gegenkandidat Rajapakses für die Präsidentenwahl aufstellen läßt. »Ich habe meinem Land in der Vergangenheit gedient und werde das auch künftig tun,« verschleierte er nur dürftig seine politischen Ambitionen. Bekannt ist, daß er bereits in Kontakt mit der oppositionellen Vereinten Nationalen Front steht. Diese war erst Anfang November von zwölf politischen Parteien mit dem erklärten Ziel gegründet worden, dem »korrupten und despotischen Rajapakse-Familienregime« eine Niederlage zu bereiten. Auch die maoistische singhalesisch-chauvinistische Volksbefreiungsfront (JVP) bekundete ihr Interesse daran, Fonseka als Kandidaten aufzustellen.
Der Exgeneral gilt nicht nur als »Architekt« des Sieges über die LTTE im Mai dieses Jahres, sondern auch – wie Rajapakse – als Sinhala-Nationalist. Deshalb war es erstaunlich, daß er sich in seinem Rücktrittsschreiben besorgt über das Schicksal der tamilischen Minderheit äußerte. Er warf der Regierung vor, über keine klare Politik zu verfügen, um die Tamilen zu gewinnen, was den militärischen Erfolg ruinieren »und den Weg für einen anderen Aufruhr in der Zukunft ebnen« wird. Rajapakse sei bisher den Beweis schuldig geblieben, den Frieden zu entwickeln.
Auf der SLFP-Jahrestagung reagierte das Staatsoberhaupt, ohne den General beim Namen zu nennen, auf dessen Entscheidung mit der Bemerkung, es gebe Patrioten, die aus politischen Erwägungen zu Verrätern werden. Solche Elemente würden nur dem Vermächtnis des LTTE-Vorsitzenden Velupillai Prabhakaran dienen. Der Chef der Befreiungstiger, der am 18. Mai von der srilankischen Armee getötet worden war, habe immer versucht, einen Keil zwischen Militär und Volk zu treiben, meinte Rajapakse. Der Opposition unterstellte er »antinationale Interessen« und den Versuch, mit dem Werben um Fonseka das Militär zu politisieren.
Das Zerwürfnis zwischen Fonseka und Rajapakse, der sich selber als Kriegsheld betrachtet, läuft vor dem Hintergrund von noch weit über 100000 inlandsvertriebenen Tamilen ab. Laut offiziellen Angaben hausen etwa 137000 Flüchtlinge in Lagern. In ihrer Heimat im Norden der Insel sind noch rund 500 Quadratkilometer mit etwa 1,5 Millionen Minen und nichtexplodierten Geschossen verseucht. |